Kein Wort, keine Tat, nichts. Nur Blicke.

Einige von euch haben es via Snapchat mitbekommen. Ich wurde Anfang Mai von einem Mann zur Mittagszeit attackiert, ohne ersichtlichen Grund.

Die Situation war diese, ich stand vor der Postfiliale, suchte meinen Abholzettel in der Handtasche, Waldi schnüffelte am Boden. Ich sah, wie ein Mann auf einem Fahrrad sich uns näherte und ich war gerade dabei Waldi zur Seite zu ziehen mit einem Lächeln auf den Lippen, quasi als Entschuldigung dafür, dass Waldi etwas tapsig im Weg rumstand. Der Mann schrie mich an: „Verschwinde! Geh weg!“ Ich wich aus und sagte noch „Sie wissen schon, dass sie eigentlich nicht auf dem Gehsteig fahren dürfen.“ Im Normalfall weise ich keinen Fahrradfahrer daraufhin, dass dies eigentlich verboten ist, aber wenn mich jemand angeht, sag ich halt was. Ob es daran lag, oder ob der Mann einfach von vornherein die Gewalt suchte, kann ich jetzt nicht mehr sagen. Nichts davon entschuldigt sein weiteres Vorgehen. Er drängte mich mit dem Rad zur Wand, ich kam nicht aus und bekam es langsam mit der Angst zu tun. Und dann tat er, was ich bis dato nicht für möglich gehalten hätte, er drückte seinen Unterarm gegen meinen Kehlkopf und würgte mich. Ich schrie noch „Lassen Sie mich in Ruhe.“, was dazu führte, dass sich anwesenden Passanten zu mir umschauten. Und dann geschah erstaunliches, niemand half. Kein Wort, keine Tat, nichts. Nur Blicke.

Mir laufen die Tränen runter, wenn ich an ihre Gesichter denke.

Es waren drei Männer, weniger als 2 Meter entfernt. Keiner gab nur einen Laut von sich. Sie starrten mich an. Ich sie. Ich erkannte, sie würden mir nicht helfen, also tat ich das einzige, was ich tun konnte, bevor mir komplett schwarz vor Augen wurde. Ich stieß den Mann fort und ging schnellen Schrittes in die Post hinein. Ich konnte nicht laufen, dafür fehlte mir die Luft.

Unter Schock holte ich mein Paket ab, als wäre nichts. Als ich die Post verließ, sah ich die Leute, welche mir nicht halfen. Ich senkte meinen Blick. Ging nach Hause. Dann brach es über mich. Mehr als eine Stunde brauchte es, bis ich mich aufraffen konnte, zur Polizei zu gehen. Ich denke, der Polizist war etwas überfordert als er mich sah. Tränen überströmt. Ich gab alles zur Anzeige. Die Chancen den Mann zu finden sind gering.

Was mich aber im Laufe des Tages mehr schockierte, wie viele Mädchen mir schrieben und mir ähnliches berichteten. Gewalttaten am helllichten Tag, in sogenannten „normalen“ Gegenden.

Die erste Frage von vielen, war die Herkunft des Mannes. Er war ein ganz normaler Mann, gepflegtes Äußeres mit wienerischem Akzent.

Die größte Frage, die sich für mich aufgeworfen hat, war nicht, wieso er das tat, sondern wieso mir niemand half?

Ich war nicht alleine. Ich war umgeben von Menschen. Starken Männern, wenn man sie so nenne will. Obwohl sie sich von ihrer schwächsten Seite zeigten. Denn jemanden der offensichtlich in Not steckt, nicht zu helfen, nicht ein Wort zu sagen, ist einfach schockierend.

Wie hätte ich in dieser Situation reagiert? Sicher nicht so. Ich hätte zumindest geschrien. Oft reicht ein lautes „Hey, was machen Sie da!“ um Täter in die Flucht zu schlagen. Doch die Akzeptanz der Augenzeugen führen dazu, dass solche Menschen denken, sie können so mit anderen umgehen.

Ich bin noch immer schockiert. Es fühlt sich unfassbar an. Nur, wer selbst einmal in dieser Situation war, weiß, wie schwach und klein man sich plötzlich fühlen kann. Und ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte dafür finde, aber ich habe mich von den Menschen in meiner Umgebung gedemütigt gefühlt, als sie dies zuließen. Dieses Gefühl schmerzt soviel mehr als das was mir der Täter antat.

Foto: Zoé Karapetyan

34 Comments

  • Jasmin sagt:

    Es tut mir sehr leid, so etwas zu lesen und ich wünsche dir, dass du dich von dem Schock bald wieder erholst. Mir ist so etwas Ähnliches 2007 passiert, Sommer, 4 Uhr nachmittags, helllichter Tag. Ich bin zur Ubahn Station Jägerstraße gegangen. Neben mir eine Familie, Mutter, wahrscheinlich Vater, schoben einen Kinderwagen mit einem Kleinkind und zwei Mädchen, so um die 15/16. Eines dieser Mädchen fragte mich nach der Uhrzeit. Da ich telefonierte sagte ich höflich, dass es mir leidtun aber ich die Uhrzeit nicht sehen konnte und ging weiter. Plötzlich kriegte ich von einem der Mädchen einen Schlag auf den Hinterkopf und vor lauter Schock brauchte es einen Moment bis ich mich umdrehte und fragte was das sollte. Sie brüllten mich an, ich wäre eine blöde Schlampe. Und vollkommen perplex wollte ich zwischen Autos weglaufen. Als sie mir nachliefen und mich niederstießen und auf mich einschlugen. Ich versuchte mich zu wehren und rannte bisschen weiter auf den großen Platz vor der Ubahnstation. Tausend Menschen, ich schrie wie am Spieß, bin am Boden gelegen. Die Familie mit dem Kinderwagen schaute zu und Hunderte Menschen mit ihnen. Niemand hat mir geholfen. Ich bin am Boden gelegen und konnte mich nicht rühren. Sie haben mir meinen iPod gestohlen und ich hab nur geschrien dass mir mein iPod gestohlen wurde. Sie rannten nichtmal weg sondern gingen seelenruhig, ich konnte nicht aufstehen. Sie hatten weder Angst, gefasst zu werden noch waren sie in Eile. Die Familie spazierte hinterher und ich bin am
    Boden gelegen und konnte mich nicht rühren und nur zuschauen, wie man mit meinem gestohlenen iPod flüchtet. Ich bin am Boden gelegen bis eine junge Mama mit zwei Kindern mich liegen sehen hat und mir ganz geschockt aufgeholfen hat und gefragt hat wieso mir niemand hilft. Sie hat mich zur Ubahn begleitet und als ich mein Mutter angerufen habe hat sie die Polizei verständigt. Die Polizisten haben die Anzeie entgegengenommen und paar Tage später habe ich die Mädchen bei der Busstation, von der aus ich zur Schule fuhr, gesehen, sie gingen täglich aus ein und dem selben Haus. Ich meldete das der Polizei die gegenüber von diesem Haus war und sie sagten „Glaubens wir gehen da rüber und schauen jede Wohnung durch, ob die dort wohnen?“ Ich musste damit leben, dass mich jeden morgen die zwei Mädchen auflachten, die mich niedergeschlagen haben und niemand etwas dagegen tut- nicht einmal unsere Polizei! Und die hätten gefasst werden können. Es ist immer sehr traurig, wenn man merkt wie alleine man eigentlich ist, obwohl tausende Menschen um einen herum sind.

    • Omg deine Geschichte hat mich grad sehr erschüttert. ich verstehe einfach nicht, was mit den Leuten los ist. Mich Schocken Täter und Zuseher gleichermaßen… von der polizei ganz zu schweigen. … 🙁

  • Jasmin sagt:

    Absolut arg, was du da erlebt hast! Ich bin sprachlos und kann es nicht verstehen, dass niemand der Leute um euch herum reagiert hat. So wie du ohnehin schreibst, es hätte wenigstens einer den Mund aufbekommen können…

  • Kath sagt:

    Das klingt wirklich ganz schrecklich. Ich habe ein ähnliches Erlebnis gehabt, aber sicher schon vor 10 oder 15 Jahren, ich war dabei auch nicht das Opfer, sondern Zuseherin. Ich war mit meinem Papa am Stephansplatz spazieren und wir gingen Richtung Zanoni, da war gerade eine Baustelle auf der Straße und wir sahen von weit weg einen alten Mann ziemlich schlimm stürzen und auf den Boden fallen. Wir waren sicher 100 Meter weit entfernt von ihm und wollten natürlich helfen, dachten aber eigentlich, dass uns sicher jemand zuvor kommt. Bis wir dort waren hat niemand, aber auch wirklich niemand geholfen, er wurde beinhart ignoriert. Er blutete am Kopf und wir haben dann die Rettung gerufen und gewartet, bis sie angekommen ist. Der Mann wollte meinem Papa dann ernsthaft Geld als Dankeschön geben, was mein Papa natürlich nicht angenommen hat. Aber weißt du was? Das will sicher niemand hören, aber ich glaube, dass das an Wien liegt. Die Leute dort sind so oft so unglaublich unhöflich und schauen einfach weg. Ich habe erst vor ein paar Tagen hier in Paris, einer riesigen Metropole, eine Frau stürzen sehen und es sind sofort einige Leute zu ihr hingegangen. Dasselbe ist der Mutter meines Freundes mit dem Fahrrad passiert, als ihr eine Taube ins Gesicht geflogen ist (das klingt lächerlich, war aber wirklich so). Das Ganze ist in Graz vor ca. 2 Monaten passiert, auch hier sind sofort etliche Passanten zu ihr gegangen und haben sich erkundigt, ob alles okay ist. Ich war schon an recht vielen Orten in der Welt und habe zum Teil auch schon länger wo gelebt (auch in Wien, weil mein Papa bis letztes Jahr dort gelebt hat), und ich muss ehrlich sagen, dass ich nirgendwo so viele unfreundliche Menschen wahrgenommen habe, die einfach wegsehen, als würde es sie nichts angehen. Es wird natürlich Ausnahmen geben, aber für mich spiegelt das leider den Vibe der Stadt wider. Solange es sie selbst nicht betrifft, ist es ihnen auch scheißegal. Schade jedenfalls. Ich wünsche dir, dass dir das nie nie wieder passiert und du dich gut erholst von dem Schock!!

    xx aus Paris,
    Kath

    • Ja ich muss leider auch sagen, dass mir das sehr wienerisch vorkam. Mir ist in Berlin, Amsterdam und PAris soetwas nei passiert bzw. allein wenn man dort mal „lost“ aussieht kommen gleich Leute und fragen ob man sich verirrt hat und ob sie helfen können.

    • Jasmin sagt:

      Ich kann dir da auch nur vollkommen recht geben. Wien ist in der Hinsicht einfach einzigartig: nirgends gibt es so viele schlecht gelaunte, unzufriedene, aggressive und von Grund auf wütende Menschen. Ich bin dankbar, dass ich nach Niederösterreich ziehen konnte und jetzt weit weg wohne von diesem Grant, der Kriminalität und dem Gefühl, dass man sich eigentlich nicht einmal mehr zu Mittag auf die Straße trauen kann.

  • Marjorie sagt:

    Boah! Man liest und hört davon und kann es gar nicht glauben …

  • sallida sagt:

    I found really sad, that the people don’t help each other… but your situation is even more horrible!, what happened in this country that is easier to see to side instead of confronting a situation, and help the person in distress, like you…, or help an old lady in wheel chair, or a blind guy crossing the street.

    This is for me really difficult to adapt, as I am a foreigner, and in my country is totally different.., I really feel sorry for you and all the women who have a similar experience and nobody came to help.

    I dont even think there is a justification, that nobody came and push the guy away from you…

    this is just sad…

    http://lemontrend.com

  • Sonia sagt:

    Leonie, ich hab dein Blog bis jetzt nicht gesehen aber was du das erzahlst finde ich erstaunlich und alarmierend. Ich kann es nicht glauben dass wir in so eine Zeit, in der nicht niemand hilft, wenn du es am meiste brauchst leben. Und ich kann es nicht glauben dass im 21. Jahrhundert Frauen immer noch so gehandelt werden, und das in der „zivilisierten“ Welt und dass Männer solche „gentlemens“ sein können. Ich hoffe du bist ok! Meine Gedanken gehen an dich aus Cluj, Rumänien.

  • Ulrike sagt:

    Hallo,
    ich finde diese Geschichten schrecklich. Mir ist sowas glücklicherweise noch nie passiert. Doch ich möchte hinzufügen: Ich habe hier schon viel Hilfsbereitschaft erlebt. Allerdings habe ich bislang noch nie ein mögliches Verbrechen aus nächster Nähe gesehen. Aber wenn jemand am Boden liegt, sind immer, ausnahmslos, sofort Menschen zur Hilfe da gewesen.
    So habe ich es erlebt…
    Alles Gute
    Ulrike

  • Caroline sagt:

    Mein Bruder wurde im März von vier Gästen auf einer Party zusammengeschlagen. Einer von ihnen hat ihn ohne Grund angegriffen, die anderen drei machten einfach mit. Selbst als mein Bruder (man beachte, dass er fast 2m groß und somit auch etwas kräftiger ist) auf dem nassen Boden lag, haben sie auf ihn eingetreten und -geschlagen. KEINER der Gäste hat etwas unternommen. JEDER hat dabei zugesehen. Sogar ein guter Freund meines Bruders, der ebenfalls anwesend war, kam ihm nicht zur Hilfe. Was hätte er denn machen sollen, er hätte doch auch nur was abbekommen. Mehr kam nicht, als wir ihn auf seine Untätigkeit angesprochen haben. Die Polizei wurde erst gerufen, als ein anderer Kollege meinen Bruder eine Stunde später mit Platzwunde an der Lippe und deformierten/aufgeschwollenen Gesicht bei den Toiletten gefunden hat. Den Notruf hätte man sich allerdings sparen können, denn die Polizei hat nichts unternommen. Mein Bruder hat geblutet wie ein Schwein (entschuldigt den Ausdruck) und die Polizisten haben nicht einmal den Rettungswagen gerufen. Letztendlich habe ich meinen kleinen Bruder um 3 Uhr nachts in die Notaufnahme gefahren. Wie wir dort behandelt wurden ist auch wieder so eine Story…
    Und das Ende vom Lied: natürlich erstatteten wir Anzeige. Die Gastgeberin hat sich von Anfang an quer gestellt, sie wollte uns von den Schlägern nicht einmal die Namen geben. „Sie verpfeift nämlich keine Freunde“. Naja, Namen sind (Facebook sei Dank) kein Problem. Ich finde es eher entsetzlich, dass sich KEIN EINZIGER der anderen Gäste bereit erklärt eine Zeugenaussage zu machen. Ich habe so einen Hass auf jeden einzelnen…

    • Jasmin sagt:

      Das ist so abscheulich! Und am schlimmsten von deiner Geschichte finde ich das Verhalten dieses sogenannten „Freundes“. Ich hoffe dein Bruder hat diese Freundshaft beendet. So ein Verhalten ist das ekelhafteste. Bei fremden kann ich es vielleicht noch irgendwo verstehen, aber unter Freunden …

  • Sowas ist schwierig, direkt darf ich nirgends mehr eingreifen, meine Familie hat es mir verboten, nachdem sie mich zweimal ins Krankenhaus bringen mussten mit Gehirnerschütterung …

    Und genau das ist das Problem, viele haben Angst einzugreifen, auch dieses liest man immer wieder, dass Leute die geholfen haben, selber zu Tode gekommen sind. Ich dachte wirklich, Männer schlagen keine Frauen und bin eingeschritten, ähm ja, falsch gedacht …

    Was ich jedem raten kann in so einer Situation, nicht blindlings eingreifen, sondern sich als erstes Verbündete suchen und die Polizei rufen. Jeder hat ein Handy zur Hand. Dann laut rufen – Wir haben die Polizei gerufen, die sind gleich da. Oft lässt der Täter dann von seinem Opfer ab, wenn nicht kann man ruhig, aber nicht aggressiv, mit einer gewissen Entfernung auf den Täter einreden. Damit seine Konzentration nicht mehr 100 % bei dem Opfer liegt.

    Es tut mir Leid, dass Du diese Erfahrung machen musstest. Für Dich als Opfer, ist das eine ganz schlimme Situation, aber es bringt auch nichts, wenn andere den Superheld spielen und selbst drauf gehen, damit ist keinem geholfen. Man behandle so eine Situation, wie eine Bombenentschärfung.

    Da ich selber ein Opfer mal war, kann ich Dir sagen, gebe der Angst nicht zu viel Raum, rede mit Freunden darüber, über Deine Ängste und überlege, wie Du Dich selber schützen kannst und spiele die Situation gedanklich durch und gewinne an Stärke. Hört sich alles etwas komisch an, es geht nur darum, dass Du diese Situation verarbeitest und Dich selber stärkst, damit die Angst verblasst und Du wieder ein „normales“ Leben führen kannst. Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut, dieses Thema zu verarbeiten 🙂

    Liebe Grüße Julia

  • Natacha sagt:

    Hallo Leonie,
    ich bin wirklich schockiert, dass so etwas am hellen Tag unter Menschen passieren kann. Mir ist etwas ähnliches vor ca. 3 Jahren passiert, auch wenn es ohne „Gewalt“ war. Ich wohnte damals im 6ten Bezirk, ein paar Straßen von der Mariahilferstraße entfernt. Ich war um 6:30 zu Fuß unterwegs Richtung Fitinn. Es war Sommer und bereits hell, die Straßen aber trotzdem leer. Ich hörte leise Musik. Ein Mann lief mir entgegen. Er sah nicht besonders Vertrauenswürdig aus und ich habe versucht ihn möglichst nicht anzusehen um Kommunikation zu vermeiden. Er lief an mir vorbei. Kurze Zeit später habe ich hinter mir ein leises Geräusch wahrgenommen habe, wie wenn sich ein Fahrrad ganz langsam bewegt. Ich schaltete die Musik ab und ging ein Stückchen zur Seite, um dem möglichen Radfahrer Platz zu machen. Ich wunderte mich, weshalb niemand an mir vorbei ging, lief aber trotzdem weiter mit dem Blick nach vorne gerichtet. Ein paar Momente später merkte ich, dass tatsächlich ein Radfahrer da war, der inzwischen genau parallel zu mir fuhr, ganz langsam, und mich von oben bis unten musterte. Mein Herz raste und auch jetzt wieder, während ich diese Zeilen schreibe. Vor lauter Schreck wusste ich nicht was ich tun sollte und bin weiter im selben Tempo geradeaus gegangen. Ich habe versucht mich zusammen zu reißen und überlegt, was mein Freund zu mir sagen würde. Ich nahm einen tiefen Atem, machte mich groß und blieb stehen. Ich sah die Person auf dem Fahrrad. Es war der Mann von vorhin, der vorher noch Fahrrad hatte. Ich schaute ihm genau in die Augen. Er musterte mich weiterhin, leckte sich die Lippen und ich habe nur darum gebeten, dass er meine Angst nicht riechen konnte. Ich sagte zu ihm „Kannst du nicht weiter gehen?“ mit einer Stimme so fest und selbstbewusst wie ich in dem Moment nur konnte. Gleichzeitig zog ich mein Pfefferspray unauffällig aus der Tasche raus für den Fall, dass er etwas versuchen sollte (Ich bin meinem Freund sehr dankbar, dass er mir das kleine schwarze Teil seit Anfang unserer Beziehung besorgt hat, denn allein das Gefühl, es in den Händen zu halten, hat mir in dem Moment Kraft gegeben). Danach ging ich weiter in meiner Richtung, dieses Mal etwas schneller, aber trotzdem ohne zu Rennen. Der Typ ist zum Glück zurück geblieben und ich bin heil im FitnessCenter angekommen. Ich werde dieses Erlebnis trotzdem nie vergessen und der Pfefferspray ist nach wie vor mein treuer Begleiter, egal wo ich hingehe…

    • liebe natacha, ja sowas ist mir auch mal auf der hilfer passiert aber mitten in der nacht, bin dann beim würstelstand stehen geblieben und hab dem verkäufer lauthals gesagt dass der herr am fahrrad mich verfolgt. so schnell konnte ich gar net schauen war der weg. dann hab ich meinen freund angerufen und der hat mich abgeholt.

  • Moni sagt:

    Das ist wirklich schrecklich! Ich wünsche dir, dass du keine weiteren Folgen davon getragen hast und das Erlebnis gut verarbeiten kannst. Mir ist sowas zum Glück noch nie passiert (auch nicht gesehen). Ich hoffe, du hast die Zuschauer auch angezeigt, denn unterlassene Hilfeleistung ist ein Straftatbestand. Leider bekommt das kaum einer zu spüren.

    • danke moni für dein kommentar. ich versuche das ganze durchs schreiben zu verarbeiten. es ist für mich nach wie vor nicht ganz leicht darüber zu reden, da es der zweite angriff dieses jahr auf mich war. und ich langsam an der menschheit zweifle.

  • Fabienne sagt:

    Hallöchen.
    Das tut mir unglaublich leid, was du da erleben musstest.
    Ich finde es auch schrecklich, wieviele Leute wegschauen. Zivilcourage? Davon haben glaub ich viele noch nichts gehört.
    Ich wäre beinahe einmal von 4 jungen Männern in ihr Auto gezogen worden, auf der anderen Straßenseite liefen in der Zeit einige Menschen vorbei und auch Autofahrer die die Situation offensichtlich erkannt haben fuhren einfach vorbei. Der einzige, der damals wirklich etwas „tat“, war mein Hund den die Typen offensichtlich nicht bemerkt hatten. Er hat sich laut knurrend und mit gefletschten Zähnen gegen das Auto und somit zwischen mich und die Typen geschmissen, daraufhin sind die mit quietschenden Reifen davon…
    Ich hoffe du kannst das erlebte schnell verarbeiten und wünsche dir, das sowas dir nie wieder passiert

    • Fabienne, das klingt nach einem absoluten horror. tut mir leid dass du sowas erleben musstest :/ aber glück im unglück gehabt 🙂 mein hund war leider total verschreckt in der situation, ist aber deit dem männern gegenüber sehr aggressiv wenn sie zu forsch auf mich zu kommen

  • Es tut mir sehr leid, was dir passiert ist. Schockierend finde ich wirklich dieses Desinteresse und die mangelnde Zivilcourage der Menschen. Gerade hier hätte ich ja niemand in Gefahr gebracht, wenn er eingeschritten wäre, sei es nur verbal.
    Ich habe z.B. einmal erlebt, wie ein Busfahrer die Türschloss als eine Mutter mit einem etwa 2jährigen Kleinkind und Kinderwagen die Tür zumachte, als das eine Kind noch draußen war. Die Mutter hatte das Kind loslassen müssen, weil niemand ihr mit dem Kinderwagen in den Bus half. Ich saß leider ganz hinten eingeklemmt im vollen Bus. Die Tür ging zu und der Busfahrer raste los, draußen in er Innenstadt an der dichtbefahrenen Straße stand alleine das kleine Kind. Die Frau schrieb „Mein Kind, mein Kind, anhalten“ (allerdings nur in gebrochenen Deutsch) sonst machte niemand etwas. Der Bus fuhr einfach weiter. Ich denke, das Verhalten der Leute und des Busfahrers hatte damit zu tun, dass sie kopftuchtragende Muslima war.

    Ich bin auf gesprungen und habe so laut durch den Bus geschrien, dass er sofort anhalten soll oder eine Anzeige bekommt. Alle haben mich nur blöde angeglotzt wie „Ist die noch ganz dicht?“ Erst dann hat er die Tür aufgemacht und die Frau konnte aus dem Bus und musste ungefähr 40 m zurücklaufen. Es halb ihr niemand mit dem Kinderwagen aus dem Bus. Zum Glück ist das kleine Kind nicht auf die Straße gelaufen, aber auch da waren Menschen und niemand hat es in seine Obhut genommen, sie haben ein 2jähriges schreiendes Kind,das alleine am Straßenrand steht, einfach ignoriert. Ich habe das den Verkehrsbetrieben gemeldet, passiert ist nichts. Es geht mir hier keineswegs darum mich selbst zu loben, denn das war keine Heldentat, das habe ich ganz automatisch gemacht und das war weder gefärhlich für mich noch Mühe noch sonst etwas. Mir geht es darum zu erzählen, dass da ein ganzer Bus voller Leute ist, die offenbar alle jeden Handlungsinstinkt verloren haben und ich frage mich: warum?

    Ich verstehe nicht, wie in solchen Situationen Menschen einfach nichts tun können. Gibt es da nicht so etwas wie einen natürlichen Instinkt, einzuschreiten?
    Quasi das gleiche – nur umgekehrt – ist mir wenige Wochen später noch einmal passiert, diesmal war das kleine Kind im Bus und Mutter und Kinderwagen noch draußen (auch eine ausländische Frau). Die Frau lief mit dem Kinderwagen schreiend neben dem Bus her, der Busfahrer fuhr weiter, drin stand das andere Kind und brüllte. Und wieder machte ansonsten niemand etwas. Die nächste Haltestelle ist dort nur etwa 70m weiter und es ist die, wo ich aussteigen muss, aber ich wäre natürlich auch so mit dem Kind ausgestiegen. Der Fahrer hat auch hier nicht angehalten. Es ist einfach gruselig.

    Ich weiß, dass man in einem solchen Augenblick wie dir das passiert ist, wie gelähmt sein kann. Aber eigentlich sollte man mal mit dem Knie kräftig ausholen und den Herrn an seiner empfindlichsten Stelle treffen.
    Ich hoffe, du hast den Schreck gut überstanden.

    Viele liebe Grüße
    Chris

    • boah sowas regt mich nur auf. ich finde das so eine frechheit was sich leute teilweise erlauben. wie würden die sich fühlen getrennt von ihrem kind. da kann ja alles mögliche passieren….

  • Lara sagt:

    Liebe Leonie, es tut mir furchtbar leid, dass dir das passiert ist. Mir ist sowas ähnliches, letztes Jahr im Frühling passiert. Damals gab es ja jemanden in der U6, der immer Frauen anspuckte. Er wurde von den Medien das „Ubahn-Lama“ genannt, hab den Namen auch sehr lustig gefunden, bis ich selbst betroffen war. Ich bin am Westbahnhof ausgestiegen und wollte zum Vapiano hinauf gehen. Dann auf halber Strecke des Weges, wir gehen alle hintereinander und ich tippe in mein Handy, spuckt mir auf einmal jemand mitten ins Gesicht. Ich war so überrascht, dass ich mich nur umdrehte und in angestarrt hab. Der Mann hinter mir hat das ganz genau gesehen und auch nichts getan. Bin da wie in Trance zu einem Geschäft und hab nach Servietten gebeten….

  • Anja sagt:

    Tut mir sehr Leid, was dir passiert ist. Ich frage mich wirklich, was im Gehirn der meisten Menschen vor sich geht, wenn sie einfach nur dastehen und glotzen. Hätte ich dich jetzt gesehen, hätte ich dir ganz sicher geholfen. Ganz einfach weil ich ebenso Hilfe von anderen erwarte, wenn ich in so einer Situation sein sollte. Selbst wenn es zu gefährlich ist, so bekommt man immer gesagt, dass man zumindest die Polizei rufen oder andere Passanten mit einbeziehen sollte. Ehrlich, wieso sind alle so ignorant? Ich hoffe, du verarbeitest das schnell. Fühl dich gedrückt. Liebe Grüße, Anja

  • Roswitha sagt:

    Ich bin, wenn etwas passiert, sehr ruhig und von mir überzeugt und schreite der Situation entsprechend ein. Habe dabei z. B. einem Mann den Arm festgehalten, in dem er eine Flasche hatte, die er dem anderen auf den Kopf schlagen wollte. In Berlin einem Heranwachsenden den Arm festgehalten, der einen Gleichaltrigen verprügeln wollte. Ich sage immer sehr laut „Schluss jetzt“, und solche und ähnliche Situationen hatte ich schon viele gut überstanden. Ich glaube, das liegt an meiner Grösse(1,80 m) und meinen zwei Zentnern Gewicht und grauen Haaren. Ich bin eine Oma, sehe so aus, niemand rechnet mit meinem Eingreifen. In Berlin hat z. B. eine etwa gleichaltrige Frau mich gelobt, sie sagte, sie sei stehen geblieben, um mir evtl. zu helfen- habe mich bedankt. Ich hasse nichts mehr, als ausgeliefert zu sein, oder hilflos – und ich kann einfach nicht zuschauen. Wenn andere das tun, sage ich es ihnen deutlich und so, dass sie hoffentlich noch lange daran denken!

  • Uwe sagt:

    In einem Psychologie-Buch (populärwissenschaftlich) habe ich mal gelesen, dass in der Masse jeder glaubt, der andere wird schon helfen.

    Als Opfer ist es wohl laut diesem Buch am effektivsten, einen konkreten Menschen auszusuchen und ihm zu sagen „Bitte helfen Sie mir, Sie mit der Gelben Jacke“.

    Also nicht generell „Helft mir“ zu rufen, sondern eine einzelne Person anzusprechen.

    • ich konnte nicht mehr wirklich was rufen, weil ich ja gewürgt wurde. Dementsprechend kam da kein wort mehr raus.

      • Uwe sagt:

        Dann vielleicht als Tipp für das (hoffentlich nie mehr vorkommende) nächste Mal.

        • lieber uwe, ich kenne den tipp. leider muss ich sagen aufgrund meiner erfahrung (wurde leider schon mehr als 1mal angegriffen) dass dir in der sekunde oft einfach nicht das „richtige“ einfällt. ich hab in der schule gelernt zu sagen „lassen sie mich in ruhe“- genau das habe ich dann auch in diesen fällen von mir gegeben. vielleicht wäre es wichtig, dass wir unseren kindern diese art von hilferuf bei bringen.

          ich denke nur wenn man etwas oft genug wiederholt, dass man es in ner gefahren situation auch von sich gibt. so wie ich mit meinem „lassen sie mich in ruhe“

  • m sagt:

    Ach, auf einmal braucht ihr uns! Ha!

    Jahrzehntelang — seit klein auf — bekommen wir ungefragt in’s Gesicht geklatscht wie überflüssig, dumm, problematisch wir sind. Was für Arschlöscher wir sind. Und nun plötzlich sollen wir wieder unsere Gesundheit riskieren um eine wildfremde Frau zu retten? Was sind wir denn, eure Sklaven? Was hast Du erwartet?

    Fuck you, ihr seid jetzt auf euch allein gestellt! Verdammte Prinzessin.

    • Jasmin sagt:

      Was ist das für ein scheiss Argument, um einer Frau nicht helfen zu wollen, wenn sie sich in einer Notlage befindet? Was Jahrzehnte lang war, spielt für Frauen Anfang 20 wohl kaum eine Rolle und können wir auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Ich verstehe worauf du hinauswillst und kann dir in eingeschränktem Maße auch Recht geben, dass Frauen gerne der Meinung sind, sie bräuchten ohnehin nie einen Mann und könnten alles alleine und sowieso immer auf sich selbst aufpassen. Aber nicht jede Frau ist dieser Meinung und alle pauschal abzustempeln und aufgrund dessen Hilfe zu unterlassen, ist unter aller Sau! Kannst du dir auf die Schulter klopfen du Möchtegern-Held mit sicherlich winzig kleinen Eiern in der Hose! Denk an deine Worte, wenn deiner Tochter soetwas vielleicht widerfährt und deiner Prinzessin aus denselben Gründen kein Mann helfen will.

  • Eva Schober sagt:

    Wirklich eine schreckliche Geschichte, tut mir total leid für dich, vor allem weil ich auch nachfühlen kann, wie sich das angefühlt hat. Ich bin mit 14, als ich noch in Innsbruck gewohnt habe, mal an einer Bushaltestelle in der Innenstadt gestanden und urplötzlich – aus dem Nichts – hat mich eine recht korpulente, junge Frau angepöbelt und als Bohnenstange und dürre Schlampe beschimpft. Ich bin dann ein paar Meter von ihr weggegangen und sie ist mir nach und hat mir einfach ihre Handatsche auf den Hinterkopf geschlagen – obwohl ich ihr absolut gar nichts getan und nicht einmal auf ihre Pöbeleien reagiert habe. Sie wollte mich dann noch schubsen, da kam dann aber gerade der Bus und ich bin gleich eingestiegen. Die Leute um uns herum haben aber auch nur zugesehen…

  • Sherrie sagt:

    Wie ich meinen Ex-Liebhaber-Link bekommen habe, wenn du auf Englisch lesen kannst, wirst du verstehen, aber wenn du es nicht einfach übersetzen kannst: https://www.facebook.com/39869988582/posts/im-ldia-ann-from-usa-my-husband-left-me-for-no-reason-on-13th-of-june-2010-he-mo/10152645030528583/

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